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Ratgeber EU AI Act

KI-Kompetenz nach Artikel 4 EU AI Act: Was gilt, und wie weisen Sie sie nach?

Artikel 4 der europäischen KI-Verordnung verpflichtet Unternehmen, die KI einsetzen, zu Maßnahmen für die KI-Kompetenz ihres Personals. Hier finden Sie den aktuellen Stand nach dem Digital Omnibus 2026 und praktische Wege zur Dokumentation.

Stand: 8. Oktober 2026 · Certeon · LEECON TS GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Artikel 4 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689 gilt seit dem 2. Februar 2025 für Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, unabhängig von der Risikoklasse.
  • Durch die Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus zur KI), in Kraft seit Juli 2026, bleibt KI-Kompetenz eine Pflicht der Unternehmen. Ein bestimmtes oder „ausreichendes“ Kompetenzniveau ist aber nicht mehr vorgeschrieben.
  • Ein Zertifikat oder ein Test ist nicht vorgeschrieben. Die EU-Kommission empfiehlt, Schulungen und andere Maßnahmen intern zu dokumentieren.
  • Seit August 2026 überwachen die nationalen Marktüberwachungsbehörden die Einhaltung.
  • Eine bestandene Prüfung ist ein freiwilliger, überprüfbarer Nachweis, dass Maßnahmen nicht nur stattgefunden, sondern auch gewirkt haben.

Was verlangt Artikel 4 der KI-Verordnung?

Artikel 4 regelt die KI-Kompetenz (englisch: AI literacy). Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihres Personals und anderer Personen zu unterstützen, die in ihrem Auftrag KI-Systeme betreiben oder nutzen. Dabei sind technische Kenntnisse, Erfahrung, Ausbildung und der konkrete Einsatzkontext zu berücksichtigen.

In der ursprünglichen Fassung mussten Unternehmen „nach besten Kräften“ ein „ausreichendes Maß“ an KI-Kompetenz sicherstellen. Mit dem Digital Omnibus zur KI, Verordnung (EU) 2026/1744, wurde das abgeschwächt: Die Pflicht zu Maßnahmen bleibt, ein bestimmtes Niveau für einzelne Personen muss aber nicht garantiert werden. Zusätzlich sollen Kommission und Mitgliedstaaten die KI-Kompetenz mit praktischen Beispielen fördern.

Was bedeutet KI-Kompetenz?

Die KI-Verordnung definiert KI-Kompetenz in Artikel 3 Nummer 56 sinngemäß als die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis, die es ermöglichen, KI-Systeme sachkundig einzusetzen und sich der Chancen, Risiken und möglichen Schäden durch KI bewusst zu sein.

In der Praxis gehören dazu typischerweise:

  • Grundverständnis, wie KI-Systeme und insbesondere Sprachmodelle funktionieren und wo ihre Grenzen liegen
  • Ergebnisse kritisch prüfen: Halluzinationen, Verzerrungen und veraltete Informationen erkennen
  • Datenschutz, Vertraulichkeit und Urheberrecht beim Einsatz von KI beachten
  • die Regeln des eigenen Unternehmens und die Rolle im KI-Einsatz kennen
  • Risiken für betroffene Personen einschätzen und bei Bedarf eskalieren

Wen betrifft die Pflicht?

Betroffen sind Anbieter, die KI-Systeme entwickeln oder in Verkehr bringen, und Betreiber, also Unternehmen und Organisationen, die KI-Systeme in eigener Verantwortung beruflich einsetzen. Dazu zählt bereits die Nutzung generativer KI wie Chatbots oder Textassistenten im Arbeitsalltag.

Die Pflicht gilt für alle Risikoklassen, also auch für Systeme mit geringem Risiko. Sie umfasst nicht nur fest angestellte Mitarbeitende, sondern auch Personen, die im Auftrag des Unternehmens mit KI-Systemen arbeiten, etwa Dienstleister oder freie Mitarbeitende.

Wie dokumentieren Unternehmen KI-Kompetenz?

Die Verordnung schreibt kein Format vor. Die EU-Kommission nennt ein internes Verzeichnis von Schulungen und anderen Maßnahmen als ausreichend. Bewährt hat sich ein Vorgehen in drei Schritten:

  • Bestandsaufnahme: Welche KI-Systeme werden eingesetzt, und welche Rollen arbeiten damit?
  • Maßnahmen je Rolle: Schulungen, interne Richtlinien, Einweisungen in konkrete Werkzeuge
  • Nachweis: Teilnahme dokumentieren und bei Bedarf den Lernerfolg feststellen, zum Beispiel mit einer Prüfung

Teilnahmebescheinigung oder Prüfung: Was ist der bessere Nachweis?

Eine Teilnahmebescheinigung belegt, dass eine Schulung stattgefunden hat. Eine bestandene Prüfung belegt zusätzlich, dass das Wissen vorhanden ist. Beides ist rechtlich nicht vorgeschrieben. Eine Prüfung ist aber aussagekräftiger, wenn Sie gegenüber einer Behörde, einem Kunden oder im Rahmen eines Audits zeigen wollen, dass Ihre Maßnahmen wirksam sind.

Certeon-Prüfungen werden online abgelegt, nach einer veröffentlichten Prüfungsordnung bewertet und mit einem Zertifikat abgeschlossen, das jede Person über eine eindeutige ID öffentlich prüfen kann. Das Ergebnis enthält eine Auswertung nach Themenbereichen.

Häufige Fragen

Ist ein Zertifikat nach Artikel 4 EU AI Act Pflicht?

Nein. Artikel 4 schreibt weder ein Zertifikat noch einen Test vor. Unternehmen müssen Maßnahmen zur KI-Kompetenz ergreifen; wie sie diese dokumentieren, ist ihnen überlassen. Ein Zertifikat ist eine freiwillige, besonders gut überprüfbare Form der Dokumentation.

Seit wann gilt die Pflicht zur KI-Kompetenz?

Artikel 4 gilt seit dem 2. Februar 2025. Die Aufsicht durch die nationalen Marktüberwachungsbehörden hat im August 2026 begonnen. Der Digital Omnibus zur KI hat den Geltungsbeginn nicht verschoben.

Was hat sich durch den Digital Omnibus 2026 geändert?

Die Verordnung (EU) 2026/1744 hat den Wortlaut von Artikel 4 abgeschwächt. Unternehmen müssen kein „ausreichendes Maß“ an KI-Kompetenz mehr sicherstellen, sondern Maßnahmen ergreifen, die die KI-Kompetenz ihres Personals unterstützen. Die Pflicht selbst besteht weiter.

Gilt Artikel 4 auch, wenn wir nur ChatGPT oder ähnliche Werkzeuge nutzen?

Ja. Wer KI-Systeme beruflich in eigener Verantwortung einsetzt, ist Betreiber im Sinne der KI-Verordnung. Die Pflicht zur KI-Kompetenz gilt unabhängig davon, ob ein System selbst entwickelt oder eingekauft wurde.

Reicht eine einmalige Schulung?

Die Verordnung nennt keinen Turnus. Da sich KI-Werkzeuge und Einsatzbereiche schnell ändern, ist es sinnvoll, Maßnahmen regelmäßig zu überprüfen und bei neuen Systemen oder Rollen nachzuschulen.

Quellen

Diese Seite ist keine Rechtsberatung. Für die Bewertung Ihres Einzelfalls ziehen Sie bitte Ihre Rechtsberatung hinzu.

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